Thomas Lerooy - Tower

Zeedijk (thv Anemonenlaan), Duinbergen

Über das Bild:

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In Duinbergen (Knokke-Heist) wurde im Juni 2020 eine 22 Meter hohe Bronzeskulptur des belgischen Künstlers Thomas Lerooy aufgestellt.

Die Skulptur namens Tower ist die erste Skulptur Lerooys, die dauerhaft im öffentlichen Raum installiert wird. Tower besteht aus 49 Bronzeköpfen bzw. Büsten, die alle in Richtung Meer blicken. Die Gesichter wurden so angeordnet und abstrahiert – die Nasen, Augen, Ohren und Kinne liegen alle auf einer vertikalen Achse –, dass Unterschiede nivelliert werden und die Gesichter einander ähneln.

Wie so oft im Œuvre von Lerooy, verweist Tower, was als Folgewerk auf Lerooys frühere Werke Obelrisk (2007) und Never listen to your best friend (2007) betrachtet werden kann, auf die Vergänglichkeit, die Flüchtigkeit des Lebens und den (Un-)Sinn des Lebens. Die Bronze wird im Laufe der Zeit wegen des Meersalzes und Windes eine Patina entwickeln und natürlich altern.

Der Titel des Werks – Tower – ist einfach und stark. Er verweist auf die aktuelle Gesellschaft, die aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammengesetzt ist, die gemeinsam wertvoller sind als allein. Eine Gesellschaft, in der wir voneinander abhängig sind, wir einander zuhören und Kompromisse schließen. So wie ein Kind mit Bauklötzen einen Turm baut, stapelt Lerooy Köpfe, um etwas Bedeutungsvolles zu schaffen. Aber ebenso ist die Skulptur auch ein Verweis auf die Endlose Säule von Brâncuși, eine 30 m hohe Säule mit einem unendlich wiederholten Motiv einer diamantförmigen Perle, die endlos nach oben zu reichen scheint.

Tower weist, wie die Säule von Brâncuși, eine starke Vertikalität auf. Als ob mit der Hand eine Linie gezeichnet wird, die vom Horizont des Meeres bis in den Himmel reicht. Wie ein Kräftemessen mit der Unendlichkeit des Meeres fungiert die Skulptur als Obelisk, Ankerpunkt oder Kathedrale. Dualität und Spannung sind Lerooys Werk inhärent, was provoziert, spielerisch ist und herausfordert.

Lerooy ist ein Meister der Verführung und Täuschung. Er vereint Drama und Humor, versöhnt das Theatralische mit dem Intimen, begibt sich jedoch ebenso in das Spannungsfeld zwischen Vergänglichkeit und Zeitlosigkeit, zwischen Altem und Neuem, Leben und Tod. Im Jahr 2006 lernte die belgische Öffentlichkeit den Künstler Thomas Lerooy kennen, als auf dem Dach des Museum Dhondt-Dhaenens eine der ersten Bronzeskulpturen von Lerooy gezeigt wurde: Le petit Jean.

Der Putto – die Bezeichnung einer wohligen, nackten Kinderfigur – pinkelte in Richtung der Besucher. 14 Jahre später gibt es die erste Skulptur Lerooys, die dauerhaft im öffentlichen Raum installiert wird, eine 22 m hohe Bronzeskulptur.

(Fotos © Lerooy)

Über den Künstler:

Thomas Lerooy, geboren 1981 in Roeselare, arbeitet inzwischen in Brüssel an einem kohärenten Œuvre von Zeichnungen, Bronzeskulpturen und Gemälden. Lerooy erhielt 2015 als erster noch lebender Künstler eine Einzelausstellung im Petit Palais in Paris.

In Belgien folgten unter anderem eine Einzelausstellung im Museum Dhondt-Dhaenens 2017, eine Doppelausstellung mit Félicien Rops im Schloss von Gaasbeek 2018/2019 und eine Einzelausstellung im Königlichen Museum der Schönen Künste (KMSK) in Brüssel.

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2018
2020
Roeselare
1981

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